Texte!

Hier stelle ich meine lyrischen Ergüsse ein.

Bin ich denn noch normal?



Herr Doktor, ich brauche eine Therapie.
Vielleicht können Sie mir Rat geben.
Ich habe da mal so ein paar Fragen, die
mich sehr beschäftigen, Herr Doktor.

Ich frage mich, Herr Doktor,
bin ich eigentlich noch normal,
wenn ich nicht ins Big Brother
Haus gehe?
Bin ich noch normal, wenn ich
mir keine stumpfsinnigen
Talkshows- und völlig
belämmerte Gerichtsshows
anschaue?

Bin ich noch normal,
wenn ich keine weißen
Pillen schlucke,
und im Park nicht rülpse?

Bin ich noch zurechnungsfähig,
wenn ich Machotypen nicht
ausstehen kann?
Ist es normal, wenn ich keine
Frauen schlage, und mir nicht
das Hirn zu saufe?

Vielleicht kann man mir nicht
mehr helfen, wenn ich statt des
Ferraris mit dem Bus zum
Einkaufen fahre.

Das Herr Doktor belastet
mich alles so sehr.
Ich wollte mit Ihnen schon
lange mal darüber reden,
aber ich habe mich bisher
nur nie getraut...

Eckholz

Kunstkommerz in Deutschland


Mittlerweile gibt es Castingshows wie Sand am Meer. Auf nahezu jedem Privatsender wird vor einer Jury geträllert, gesponnen und sonst irgendein Schrott vorgetragen. Da kommen so übernormal selbstbewusste Chaoten daher und machen sich voll zum Ei. Und die, die dann sich die Bohlenschen Beleidigungen  über sich haben ergehen lassen, das ganze als Superstar gewonnen haben, bleiben ein, zwei Jahre im Showgeschäft, bis sie wie ein Furz in der Luft verschwinden und von keiner Sau mehr gehört werden.
So geht es Jahr ein, Jahr aus. Castingshows sind aus der deutschen Sendervielfalt nicht mehr wegzudenken und konkurrieren neben Doku-Soaps, Gerichtsshows und sonstigen geistigen Dünnpfiff der dem völlig abgestumpften deutschen Gaga-Menschen regelmäßig im Hartz IV – TV präsentiert wird. So sind wir es mittlerweile gewöhnt, die Frage, die ich mir dabei stelle, ist, warum gibt es keine Castingshows aus anderen Bereichen? Malerei und Cartoonzeichnen zum Beispiel. Dabei schlummern in deutschen Landen aus diesem Bereich zahlreiche Talente. Das Internet ist voll davon. In Deutschland wird nur das gefördert, was auch Kohle bringt. Wer liest denn heute noch? Bücher verschwinden, das Internet bietet mittlerweile eine ganze Fülle an Romanen und belletristischer und Sachliteratur in immer breiter werdender Sphäre an. Über Kultur erfährt man in diesem von geistigem Dünnpfiff übersäten Staat so gut wie nix mehr, und in Deutschlands Boulevard Blatt Nummer eins, deren Namen ich hier ja wohl nicht nennen muß, erst recht nicht. Berichtet wird darin nur über Ereignisse und neue Platten und Filme etc. aus der breiten Masse und irgendwelche Exzesse und Eskapaden berühmter Mitmenschen.
Kunst, die keine Moneten erzielt, wird in die Tonne getreten. Für Hobbyzeichner und Anfänger ist es schwer einen Verleger ihrer Arbeiten zu finden. Denn in erster Linie wird nach gewinnerzielenden Faktoren geschielt.
Agenturen, die Künstler vermitteln, gibt es zwar zu Hauf, doch auch sie fragen zuerst nach dem Einkommen. Ein kleiner armer Straßenzeichner und hätte er auch noch solches Talent, hat da null Chancen auf Förderung. Somit kann er als einzige Genugtuung und Freude, seine Bildchen an Freunde, Bekannte und Verwandte verschenken oder für einen kleinen Obolus verkaufen, um im Discounter um die Ecke die überwucherten Schweinepreise halbwegs aufbringen zu können. Fakt ist, es gibt sie, die Supertalente in Deutschland, aber sie bleiben unerkannt, weil sie kein Geld haben. Und wenn sie es dann doch geschafft haben, welches mit ihrer Kunst zu verdienen, bleibt es nur von kurzer Dauer und haben die ohnehin schon vor Geld kaum noch durchblickenden Musik- und Filmkonzerne noch reicher gemacht.
So weit dazu. Zum Schluß sollen noch die Worte „Armes Deutschland“ fallen.
Wenn das Goethe und Schiller wüssten, würden sie sich im Grabe umdrehen.
 
Eckholz

Paula

Also die Paula, nein, so was. Paula ist so, so, wie soll ich sagen. Also Paula, die ist ja wirklich eine Seltenheit. Sie benimmt sich immer daneben, völlig daneben.
Sie regt mich auf, die Paula. Ja sie regt mich auf. Also, die Paula, ja, die Paula bringt mich auf die Palme, weil sie so komisch ist. Völlig daneben die Paula.
Sie stellt auch immer so komische Dinge an, die Paula. Paula bringt alle auf die Palme. Immer völlig gaga. Die Frau ist der Hammer. Wo Paula ist, da fällt sie auf. Sogar Paulas Hund Waldi blamiert sich, wenn sie mit ihm Gassi geht.
Paula, nein. Die Paula ist wirlich nicht mehr normal. Man kann mit der Frau auch nirgendwo hingehen, weil man immer auffällt mit ihr. Mit Paula kann man sich einfach nicht sehen lassen. Eins ist sicher, wenn Paula da ist, passiert immer etwas. Und mich graut es schon. Denn Paula hat mir einen Brief geschickt. Sie schreibt das sie mich am 20. besuchen kommt. Ich muß  auf alles gefasst sein.
Soll sie nur kommen die Paula.

Eckholz

Der Mond


Der Mond erhellt die ganze Stadt,
damit ein jeder einen beleuchteten Gehweg hat.
Der Mond schaut auf den Erdenball,
sieht all das Leid hier überall.
Er kneift enttäuscht die Augen zu,
nicht einmal nachts herrscht Ruh.
Ein Tränchen rollt über seine Wange,
er sieht den Terror und den Krieg,
ihm wird so bange.
Die Träne plumpst auf ein Soldatengrab,
er verlor sein Leben,
das ihm der Herrgott gab.
Er sieht die toten Fische überall im Meer,
das Atmen fällt ihm so schrecklich schwer.
Er sieht so manches schreiende Kind,
riecht den sauren Regen, spürt den eisigen Wind.
Ja, all das, das sieht der Mond,
oben im Himmelszelt.
Er sieht das Leid und die Not da auf der Welt.

Der Mond blickt auf den Erdenball,
sieht die Freude überall.
Sieht frohe, liebende Menschen,
er sieht verliebte Herzen,
sieht sie lachen, springen, tanzen, scherzen.
Der Mond sieht helfende Hände,
sieht Maurerhände, welche errichten
schützende Wände.
Der Mond sieht helfende Menschen,
sieht dankende lobende Leute,
die ihre Gaben teilen, immer, morgen,
jetzt und heute.
Der alte Herr da oben sieht ein,
nicht alles da auf dem Erdenball ist schlecht.
Der Mensch kämpft und bekommt sein Recht.
Er  schließt entspannt die Augen zu
und genießt die Ruh.

Sven Kruscha


Ich bastle mir aus Frikadellen eine Hütte.
Eine Frikadellenhütte.
Ich baue mir aus Gurken winzig kleine
Männchen und postiere diese
vor die Hütte.
Dort lachen und scherzen die Männchen,
und feiern und jubeln mit lautem Gekreisch
und Krakeel.

Genervt von diesem Geschrei klatsch ich laut
in die Hände.
Augenblicklich herrscht Ruhe,
doch nur für einen Moment.
Ein Starren und Stieren, entsetzte, ratlose Blicke.
Dann setzt das Murmeln wieder ein,
bis es  stetig lauter werdend bis hin zu
einem unaufhaltbaren Getöse endet.

Die Männchen stecken die Köpfe zusammen,
sie murmeln und lachen.
Die Männchen lachen und kichern.
Warnend werfe ich ihnen einen bösen Blick
entgegen.
Kurzes Schweigen, dann wieder Gemurmel.

Langsam nerven mich die lästigen Quälgeister.
Bereit dem ein Ende zu setzen greife ich nach
den Männchen und…
esse sie vor Hunger auf.

© Eckholz, 2005

 

(Dieses Gedicht erscheint im September 2018 in DUM-Das ultimative Magazin zum Thema Nachschlag.)